Gesellschaft für Nierenkrebs

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Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung

Wenn bei Ihrer Nephrektomie keine Hinweise auf Metastasen gefunden werden, entscheidet Ihr Arzt möglicherweise, dass keine weitere Behandlung erforderlich ist. Falls bei Ihnen jedoch zum Diagnosezeitpunkt eine Metastasierung vorliegt, benötigen Sie zusätzlich zu Ihrer Nephrektomie eine medizinische Therapie. Beim klarzelligen NZK bietet eine Nephrektomie plus Immuntherapie einen kleinen Vorteil, bei anderen NZK-Unterarten sowie bei Patienten, bei denen eine Immuntherapie im Anschluss an eine Nephrektomie nicht in Frage kommt, wurde der Nutzen einer Nephrektomie jedoch noch nicht belegt.   

Neben einer Operation zählen die Immuntherapie, Bestrahlung und Chemotherapie zu den am weitesten verbreiteten Therapien gegen Nierenkrebs. In jüngster Zeit haben antiangiogene Wirkstoffe Erfolg versprochen. Sie werden derzeit noch erforscht. Diese Therapien sind recht unterschiedlich und Sie sollten sich mit genaueren Einzelheiten über die Therapie vertraut machen, bevor Sie mit einer Behandlung beginnen.

Strahlentherapie

Eine Strahlentherapie kann nach der Operation erfolgen, sofern der Chirurg vermutet, dass Krebszellen zurück geblieben sind; eine Bestrahlung der Stelle, an der die Nephrektomie vorgenommen wurde, wird jedoch selten durchgeführt.  Wenn eine Niere entfernt wird, schieben sich die Gedärme in den Hohlraum, in dem sich vorher die Niere befand. Eine Bestrahlung kann diese Organe schädigen. Freunde, die häufiger vorkommende Krebserkrankungen wie Brust- und Prostatakrebs bekommen haben, werden Ihnen von ihren Erfahrungen mit Strahlentherapie berichten. Solche Geschichten sollten Sie weitestgehend ignorieren, da sie in Bezug auf Nierenkrebs irrelevant sind.

Es gibt verschiedene Arten von Strahlentherapie, deren Funktionsweise jedoch prinzipiell identisch ist und auf die Schädigung oder Zerstörung von Krebszellen abzielt, damit diese sich nicht vermehren können. Wenn eine Strahlentherapie verabreicht wird, wird sie möglichst präzise auf die bösartigen Zellen ausgerichtet. Dennoch kann eine Bestrahlung auch gesundes, normales Gewebe in unmittelbarer Nähe der Krebszellen schädigen.

Zu den häufigen Nebenwirkungen einer Strahlentherapie zählt ein roter, einem Sonnenbrand ähnlicher Fleck auf der Haut im Bestrahlungsbereich, Haarausfall, Übelkeit, Durchfall sowie Magenkrämpfe. Welche Nebenwirkungen auftreten, hängt davon ab, welcher Körperteil anvisiert und genau welche Behandlung gewählt wird. Die häufigsten Tumorstellen, die mit Bestrahlung behandelt werden, sind das Gehirn und Knochen wie die Hüfte, Wirbelsäule, Rippen, Schulter etc.

Fortschritte werden zur Zeit bei der Strahlenonkologie gemacht, die sich von der medizinischen Onkologie unterscheidet, bei der Arzneimittel zum Einsatz kommen. Gammaknife-Bestrahlung wird zur Behandlung von metastasierenden Tumoren im Gehirn eingesetzt. Protonenbestrahlung und stereotaktische Bestrahlung können sich bei der Behandlung von Tumoren, die auf Arzneimittel nicht ansprechen oder sich nicht operativ entfernen lassen, ebenfalls als hilfreich erweisen. Normalerweise wird Bestrahlung zur Behandlung von Knochen- und Wirbelsäulenmetastasen, Gehirntumoren und Tumoren an anderen unzugänglichen Stellen eingesetzt.

Chemotherapie

Chemotherapie kann im Fall einer Metastasierung eingesetzt werden. Welche Art von Chemotherapie verabreicht wird, hängt von der Position der Metastasen, der Art und dem Schweregrad des Tumors sowie der körperlichen Verfassung des Patienten ab.

Das Wirkungsprinzip der Chemotherapie ist dasselbe wie bei der Strahlentherapie, außer dass Chemikalien eingesetzt werden, um bösartige Zellen zu schädigen oder zu zerstören, damit sie sich nicht vermehren können. Wie bei der Strahlentherapie können auch Chemikalien normale Zellen schädigen.

Es gibt über 50 verschiedene Chemotherapiemittel. Bei vielen davon handelt es sich um natürlich vorkommende Substanzen, die in Pflanzen, Schimmelpilzen und Tieren auftreten. Um diese Wirkstoffe zu entdecken, testen Forscher bei Pharmaunternehmen und am National Cancer Institute jährlich Tausende neuer Verbindungen.

Bei keinem der vielen Chemotherapiemittel wurde nachgewiesen, dass es die Überlebensrate bei metastasierendem Nierenkrebs erhöht, es gibt jedoch einige viel versprechende Daten mit Gemcitabin, Capecitabin und 5FU. Derzeit werden aber viele neue Chemotherapiemittel entwickelt, die die als am wichtigsten geltenden Resistenzmechanismen bei Nierenzellenkrebs unterlaufen. Viele Chemotherapie-Programme beinhalten mehrere verschiedene Arzneimittel, um Zellen abzutöten, die gegen einzelne Arzneimittel eventuell resistent sind. Chemotherapie kann in einem Krankenhaus oder ambulant verabreicht werden. Die Arzneimittel können oral, intravenös oder in Form einer einfachen Injektion angewendet werden.

Viele Chemotherapiemittel sind Toxine. Deswegen können Patienten unter Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Frösteln, Ausschlag und allergischen Reaktionen leiden. Der Schweregrad dieser Nebenwirkungen hängt von der Arzneimitteldosis, dem verwendeten Arzneimittel, dem Patient, der Behandlung und anderen Faktoren ab.  Diese Effekte können wenige Stunden bis wenige Tage anhalten.

Immuntherapie

Ihr Immunsystem ist dafür verantwortlich, Sie vor Viren, Bakterien und Krebszellen zu schützen. Ihr Immunsystem besteht aus weißen Blutkörperchen, auch Lymphozyten genannt, und chemischen Substanzen wie Proteinen.  Zur Immuntherapie gehört der Einsatz von Arzneimitteln und Labortechniken, um Ihr Immunsystem aktiver zu machen, damit weiße Blutkörperchen Krebszellen angreifen und töten. Immuntherapie ist der wichtigste Therapieansatz bei metastasierendem Nierenkrebs.

Eine unzureichende Immunsystemfunktion kann zu vielen Erkrankungen und Syndromen beitragen. Ein unteraktives oder unterdrücktes Immunsystem könnte missgebildete Zellen nicht erkennen und eliminieren und auf diese Weise zulassen, dass sich Tumoren bilden und Krebs entsteht. Ein überaktives Immunsystem könnte gesunde Körperteile angreifen und auf diese Weise einige Formen von rheumatoider Arthritis und Diabetes sowie Autoimmunerkrankungen auslösen.

Viele verschiedene Arten von weißen Blutkörperchen sind an der Bekämpfung von Nierenkrebs beteiligt, z.B. natürliche Killerzellen, T-Zellen, die als CD8-Zellen und CD4-Zellen bezeichnet werden, Tumor infiltrierende Lymphozyten, Antigen verarbeitende Zellen u.a.

Generell werden drei Arten von Proteinen vom Immunsystem produziert: Interferone, Interleukine und Antikörper. Dabei handelt es sich um natürlich vorkommende Substanzen in Ihrem Körper, die viele verschiedene Funktionsweisen aufweisen. IL2 (Interleukin-2) und IFNA (Interferon-alpha) sind Standardtherapien für metastasierenden Nierenzellenkrebs. Der wichtigste Vorteil von IL2 liegt darin, dass gelegentlich Patienten auf der ganzen Linie darauf ansprechen und langfristig überleben. Studien haben jedoch Hinweise darauf geliefert, dass IL2 am effektivsten in hohen Dosen verabreicht wird, wofür eine stationäre Verabreichung und ein gesundes Herz sowie eine gesunde Lunge erforderlich sind. IFNA wird von mehr Patienten vertragen und bewirkt bei den meisten Patienten eine mäßige Verbesserung der Überlebensrate, wird jedoch mit Fieber und Müdigkeit in Zusammenhang gebracht.

Antiangiogene Therapie

Eine antiangiogene Therapie dient dazu, die Blutgefäße zu attackieren, die den Krebs mit Nährstoffen versorgen. Nierenzellenkrebs gilt als einer der vaskulärsten Tumore. Zwar ist bisher noch kein antiangiogenes Arzneimittel gegen Nierenkrebs zugelassen worden, jedoch sind eine ganze Reihe solcher Mittel sehr viel versprechend und befinden sich im späten Stadium der klinischen Entwicklung. Häufige Nebenwirkungen von antiangiogenen Arzneimitteln sind Ausschlag, Bluthochdruck und Blutungen.  

Die Behandlung von Nierenkrebs verändert sich rasch – viel zu schnell, um an dieser Stelle neue Therapien zu beschreiben. Selbst klinische Tests reflektieren nicht alle neuen Therapien und das neu entstehende wissenschaftliche Gedankengut in vollem Umfang. Auf telefonische Anfrage erhalten Sie vom Verband Informationen und Überweisungen zu Ärzten, die fortgeschrittene Arbeit auf dem Gebiet der Nierenkrebstherapie leisten.

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